Visa kaufte Tink 2022 und ließ Marke, Sitz und Führung zunächst unverändert. Drei Jahre später ist die Plattform gewachsen und trägt Visas Open-Banking-Angebot auch in den USA. Anfang 2025 verließen die Gründer das Unternehmen.
Global networks enable innovators to scale, and Visa provides the best foundation for Tink to build on.
— Daniel Kjellén, Mitgründer und CEO Tink, Pressemitteilung Visa zum Closing, 10. März 2022
Was gekauft wurde
Im Juni 2021 kündigte Visa an, Tink für 1,8 Milliarden Euro zu übernehmen, inklusive Barmitteln und Bindungsprogrammen für Mitarbeiter. Wenige Monate zuvor hatte Visa den Kauf des US-Anbieters Plaid für 5,3 Milliarden US-Dollar nach Widerstand der Kartellbehörden aufgegeben.
Visa sagte zu: Tink behält Marke, Managementteam und Sitz in Stockholm. Die Übernahme stand unter dem Vorbehalt der Aufsichtsbehörden und wurde neun Monate nach der Ankündigung vollzogen. Beim Closing am 10. März 2022 präzisierte der Konzern, Tink werde „in the near-term“ als eigenständige Tochter arbeiten, geführt von Mitgründer und CEO Daniel Kjellén und dem bestehenden Team.
Warum: die Value Proposition
Open Banking heißt: Kunden erlauben Dritten den Zugriff auf ihre Kontodaten oder Zahlungen über Schnittstellen, sogenannte APIs. Tink hatte diese Schnittstellen zu Tausenden europäischen Banken gebaut und verkaufte sie an Banken und Fintechs. Visa wollte laut Mitteilung diese Schnittstellen und Kundenbeziehungen mit der eigenen Infrastruktur, Sicherheit und Betrugsabwehr verbinden und so Open Banking in Europa beschleunigen. Visa-Chef Al Kelly sprach davon, Visas Netzwerk der Netzwerke mit Tinks Open-Banking-Fähigkeiten zusammenzubringen; Europa-Chefin Charlotte Hogg nannte den Kauf ein Bekenntnis zu Europa.
Gekauft wurde also ein Netz aus Bankverbindungen, Entwicklern und Kunden – aufgebaut seit 2012 von Kjellén und Fredrik Hedberg, zunächst als Finanz-App für Verbraucher, später als Plattform für andere Unternehmen.
Was Visa anders gemacht hat
Der Name blieb, der Sitz blieb, die Website blieb. Tink wurde nicht in Visas Systeme überführt. Beim Closing arbeiteten rund 500 Menschen für Tink; die Plattform bediente mehr als 300 Banken und Fintechs als Kunden. Diese Kundenbeziehungen liefen unter dem Namen Tink weiter.
Im April 2024 lief die Verbindung in die andere Richtung: Visa startete sein Open-Banking-Angebot in den USA auf Basis der Tink-Technologie. Visa-CEO Ryan McInerney verwies dabei auf die Verträge, die Tink in Europa in den zwei Jahren zuvor mit Adyen und Revolut gewonnen hatte.
Im Januar 2025 verließen Kjellén, Hedberg und COO Patrik Göthlin das Unternehmen. Kjellén hatte Tink damit knapp drei Jahre nach dem Closing weitergeführt. Er schrieb, Visa sei der perfekte Partner und das richtige Zuhause für Tink, und es sei Zeit, den Stab weiterzugeben. Die beiden Gründer starteten später ein neues Unternehmen, Freda. Neuer CEO wurde Francois Tornier, der zugleich Open Banking bei Visa verantwortet.
Im März 2025 meldete Tink 10.000 Händler, die Zahlungen per Bankkonto über die Plattform anbieten. Die Website nennt 2026 rund 6.000 Bankverbindungen, gut drei Viertel mehr als beim Closing, und führt die Marke als „Tink, a Visa solution“. Wie Visa die Tochter seit dem Führungswechsel steuert, ist öffentlich nicht dokumentiert.