Accenture kaufte 2018 eine der bekanntesten Werbeagenturen Deutschlands und sagte zu, Name und Führung zu erhalten. 2022 ging der Name in der Konzernmarke Accenture Song auf. Bis 2024 hatte fast die gesamte frühere Führung das Unternehmen verlassen.
Wir glauben, dass wir unter dem Dach von Accenture Interactive noch mehr Wirkung erzielen […].
— Fabian Frese, Geschäftsführer Kreation Kolle Rebbe, Pressemitteilung zur Übernahme, November 2018
Was gekauft wurde
Im November 2018 übernahm Accenture Interactive, die Digitalsparte des Beratungskonzerns Accenture, die Hamburger Werbeagentur Kolle Rebbe vollständig. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Accenture sagte zu, dass Name und Managementteam erhalten bleiben.
Kolle Rebbe hatte zuvor einen Verkauf an eine der großen Werbe-Holdings ausgeschlossen, weil man dort die eigene Identität in Gefahr sah. Accenture, ein Beratungskonzern ohne eigene Werbetradition, erschien als der Käufer, der diese Identität nicht antasten würde.
Warum: die Value Proposition
Accenture Interactive wollte in Deutschland alles aus einer Hand anbieten: Strategie, Technologie und Kreation. Digitalkompetenz hatte Accenture 2017 mit SinnerSchrader gekauft, einer ebenfalls in Hamburg ansässigen Digitalagentur. Was fehlte, war die kreative Seite: Kampagnen, Markenführung, das Handwerk der Werbung.
Bei einer Agentur steckt dieser Wert nicht in Maschinen oder Patenten. Er steckt in Menschen und in einem Namen, für den Kunden und Talente kommen.
Was danach geschah
Dreieinhalb Jahre blieb der Name. Dann traf eine Entscheidung aus der Zentrale alle gekauften Agenturen auf einmal. Accenture hatte in einem Jahrzehnt weltweit rund vierzig Agenturen gekauft, in Deutschland neben Kolle Rebbe auch SinnerSchrader. Im April 2022 gab die Sparte Accenture Interactive ihren Namen ab und wurde zu Accenture Song. Alle gekauften Agenturen wurden unter diese eine Konzernmarke gestellt, mit einer gemeinsamen Ergebnisrechnung. Kolle Rebbe und SinnerSchrader hießen von da an Accenture Song.
Eine Ausnahme gab es: Droga5, eine New Yorker Agentur, die Accenture 2019 gekauft hatte, behielt ihren Namen. Ihr Gründer David Droga leitete inzwischen die gesamte Sparte. Der Fall zeigt, dass Accenture einen Agenturnamen halten konnte, wenn der Konzern es wollte.
In den zwei Jahren nach der Umbenennung verließ fast die gesamte frühere Führung von Kolle Rebbe das Unternehmen, darunter der Kreativchef, der die Übernahme 2018 öffentlich begrüßt hatte. Das Branchenmedium Meedia zog im Oktober 2024 Bilanz: Von der alten Spitze sei fast niemand mehr an Bord. Warum die Einzelnen gingen, haben sie nicht öffentlich gesagt.
Kolle Rebbe hatte 2018 nicht an eine Werbe-Holding verkaufen wollen, weil dort die eigene Identität verloren gegangen wäre. Vier Jahre später war sie bei Accenture verloren gegangen.