adidas kaufte 2015 die Fitness-App Runtastic samt Gründerteam. 2019 wurde die App in adidas Running umbenannt, 2022 verließ der letzte Gründer das Unternehmen. Bis Mitte 2025 schloss adidas alle drei österreichischen Standorte; im November 2025 ging die Gesellschaft in Liquidation.
Was gekauft wurde
Am 5. August 2015 übernahm adidas alle Anteile an der runtastic GmbH. Die Transaktion bewertete das Unternehmen mit 220 Millionen Euro. Runtastic war sechs Jahre zuvor von vier Studenten in Oberösterreich gegründet worden und hatte Lauf- und Fitness-Apps gebaut, die weltweit genutzt wurden.
adidas sagte zu, dass die vier Gründer das Geschäft innerhalb der Gruppe weiter leiten. Vorstandschef Herbert Hainer sprach von einem beträchtlichen Mehrwert für das Ziel, neue Sporterfahrungen zu schaffen.
Warum: die Value Proposition
Die Sportartikelbranche wurde 2015 digital. Nike baute seine Running-Plattform aus, Under Armour hatte kurz zuvor die Apps MyFitnessPal und Endomondo gekauft. Wer Sportler erreichen wollte, brauchte einen direkten Draht zu ihnen: eine App, die täglich geöffnet wird.
Runtastic hatte diesen Draht. Millionen Menschen zeichneten ihre Läufe mit einer App auf, die sie unter dem Namen Runtastic kannten. Dahinter stand ein Team in Pasching, das dieses Produkt entwickelt hatte und in kurzen Zyklen weiterentwickelte. Beides zusammen war die Value Proposition: die Nutzerbeziehung und die Menschen, die sie herstellten.
Was danach geschah
Drei Jahre änderte sich wenig. Im September 2018 kündigte Gründer-CEO Florian Gschwandtner seinen Rückzug zum Jahresende an; zwei Mitgründer übernahmen die Führung. Im Mai 2019 setzte adidas einen General Manager von außen ein, Scott Dunlap, der an die Digitalsparte des Konzerns berichtete.
Vier Monate später verschwand der Name. Aus der App Runtastic wurde adidas Running, aus der Trainings-App wurde adidas Training. Im Januar 2020 sagte Gschwandtner, er habe manche Entscheidung nicht verstanden; es sei aber nicht mehr sein Unternehmen.
2022 verließ Alfred Luger als letzter der vier Gründer das operative Geschäft. Im selben Jahr schrieb adidas die Markenrechte an Runtastic vollständig ab und begründete das im Geschäftsbericht mit der Integration der Marke in adidas. Im März 2023 folgten der Abbau von 70 der 250 Stellen und das Ende der Trainings-App. Laut Firmenbuch hatte die Gesellschaft 2021 rund 33,7 Millionen Euro Umsatz gemacht.
Im September 2024 kündigte adidas an, die drei österreichischen Standorte bis Mitte 2025 zu schließen. Die App sollte künftig aus Herzogenaurach, Amsterdam und Saragossa betrieben werden. Der zuständige adidas-Manager Tobias Seemann begründete das mit der Bündelung digitaler Kompetenzen an wenigen Standorten. Die rund 170 Beschäftigten konnten sich dort bewerben.
Im November 2025 ging die runtastic GmbH in Liquidation. Die App adidas Running gibt es weiterhin, betrieben aus drei Konzernstandorten. Wie viele Menschen sie nutzen und wer sie heute baut, veröffentlicht adidas nicht.
Ich habe auch manche Entscheidung nicht verstanden und hätte vielleicht anders gehandelt. […] Aber am Ende ist es dann eben nicht mehr mein Unternehmen und ich muss die Entscheidungen auch nicht tragen.
— Florian Gschwandtner, Runtastic-Mitgründer und CEO bis 2018, t3n, 21. Januar 2020