Munich Re übernahm relayr 2018 vollständig, um Versicherungswissen mit IoT-Technologie zu neuen Geschäftsmodellen zu verbinden. relayr sollte autonom bleiben und seine Startup-Kultur behalten. Im April 2025 wurde das Unternehmen aufgelöst; Munich Re verwies auf die Konzentration auf das Kerngeschäft.
Was gekauft wurde
Am 4. September 2018 gab Munich Re bekannt, relayr vollständig zu übernehmen – über die US-Tochter Hartford Steam Boiler, die seit 2016 beteiligt war. Der Unternehmenswert lag bei 300 Mio. USD. Der Abschluss folgte Ende Oktober.
Die Zusagen waren konkret: relayr werde weiterhin autonom operieren und seine eigenständige Startup-Kultur behalten, um Innovation voranzutreiben und IoT-Talente zu gewinnen. Die Marke bleibe, relayr bleibe eine eigenständige Einheit innerhalb der HSB-Gruppe. Gründer Josef Brunner blieb CEO. Er sagte damals, es habe in den Jahren zuvor mehrere Übernahmeangebote gegeben, vor allem aus dem angelsächsischen Raum; mit Munich Re könne relayr eigenständig bleiben und habe trotzdem einen Konzern im Rücken.
Warum: die Value Proposition
Vorstand Torsten Jeworrek begründete den Kauf so: Das Internet der Dinge verändere die Welt bereits und habe das Potenzial, das Versicherungs- und Rückversicherungsgeschäft durch neue Geschäftsmodelle, Dienste und Wettbewerber umzuwälzen. Munich Re wollte sein Risikowissen, seine Datenanalyse und seine Finanzkraft mit der Technologie von relayr verbinden und daraus neue Geschäftsmodelle entwickeln. HSB-Chef Greg Barats ergänzte, HSB habe sich immer auf Versicherung und Technologie konzentriert und schon 2016 in relayr investiert, um das Geschäftspotenzial des Internets der Dinge zu erschließen.
relayr vernetzte Industrieanlagen, wertete Maschinendaten aus und sagte Ausfälle voraus; das Geschäftsmodell verband Softwarelizenzen mit Leasing- und Finanzierungsangeboten für Industriemaschinen. Für einen Versicherer ist das eine Datenquelle über den Zustand von Maschinen, die es vorher nicht gab. Gekauft wurde die Fähigkeit, jenseits des Kerngeschäfts etwas Neues zu entwickeln.
Was danach geschah
Was öffentlich dokumentiert ist, ist knapp.
Laut Handelsblatt ging der Umsatz von relayr seit 2019 stetig zurück. Josef Brunner gab den CEO-Posten Anfang Oktober 2021 ab, gut drei Jahre nach der Übernahme, und wandte sich neuen Vorhaben zu. Seine Gründe hat er öffentlich nicht genannt.
2024 verkaufte Munich Re Teile des Unternehmens, die Sensorik für Aufzüge und die Überwachungstechnik für rotierende Maschinen wie Pumpen, Getriebe und Ventilatoren. Rund 100 Stellen blieben bei den Käufern erhalten. Anfang April 2025 wurde relayr laut Handelsregister aufgelöst.
Im Juni 2025 erklärte Munich Re gegenüber dem Handelsblatt, man habe sich im Zuge der Ausrichtung der Innovationsstrategie aus Initiativen zurückgezogen und konzentriere sich auf das Kerngeschäft. Investmentweek ordnete ein, relayr sei eine Sammlung teurer Einzelprojekte geblieben und angekündigte Partnerschaften mit Industriekonzernen seien nicht zustande gekommen; das ist ein Kommentar, keine Primärquelle.
Was bleibt, ist der Abstand zwischen zwei Begründungen desselben Käufers: 2018 der Kauf, um über das Kerngeschäft hinauszugehen. 2025 die Auflösung, um sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.
Im Rahmen der strategischen Ausrichtung der Innovationsstrategie von Munich Re haben wir uns aus Initiativen zurückgezogen, um uns auf unser Kerngeschäft zu konzentrieren.
— Munich Re, Stellungnahme gegenüber dem Handelsblatt, Juni 2025