Bosch kaufte 2015 das kalifornische Startup Seeo und kündigte an, die Energiedichte von Batteriezellen bis 2020 mehr als zu verdoppeln. Im Februar 2018 entschied der Konzern, keine eigenen Zellen zu fertigen, und stellte Seeo zum Verkauf. Was aus Seeo wurde, ist nicht bekannt.
Was gekauft wurde
Im August 2015 übernahm Bosch das kalifornische Startup Seeo: die Patente, die Pilotlinie in Hayward und alle Mitarbeiter. Der Kaufpreis wurde nicht offengelegt. Seeo hatte acht Jahre lang an einer Batterie gearbeitet, bei der ein festes Polymer den flüssigen Elektrolyten herkömmlicher Lithium-Ionen-Zellen ersetzt.
Auf der IAA im September 2015 stellte Bosch die Technologie vor. Konzernchef Volkmar Denner nannte die Festkörperzelle eine mögliche Durchbruchstechnologie. Das Ziel: Energiedichte und Reichweite bis 2020 mehr als verdoppeln, Kosten deutlich senken, Serienreife in fünf Jahren.
Warum: die Value Proposition
Bosch wollte bei einer Schlüsselkomponente der Elektromobilität eigenes Know-how haben. Die Batteriezelle bestimmt Reichweite, Preis und Sicherheit eines Elektroautos; wer sie beherrscht, ist nicht auf asiatische Zellhersteller angewiesen.
Was Bosch kaufte, war kein Produkt. Es war ein Forschungsteam mit einem Patentportfolio und einer Technologie, die im Labor und in Musterzellen funktionierte, aber nicht in der Fabrik. Der Wert lag in der Zeit: Jahre der Entwicklung mit offenem Ausgang, wie sie ein Startup von Wagniskapitalgebern finanziert bekommt.
Was danach geschah
Im Dezember 2017 prüfte Bosch öffentlich, ob es eine eigene Zellfertigung aufbauen sollte. Die Rechnung des Konzerns: Um bis 2030 einen Marktanteil von 20 Prozent zu erreichen, wären Kapazitäten von 200 Gigawattstunden nötig, eine Anfangsinvestition von rund 20 Milliarden Euro.
Am 28. Februar 2018 gab Bosch die Antwort: keine eigene Zellfertigung. Das wirtschaftliche Risiko sei zu hoch in einem Markt, den asiatische Hersteller bereits dominierten. Mit dieser Entscheidung wurde das Forschungs-Joint-Venture Lithium Energy and Power beendet, und Seeo sollte veräußert werden. Geschäftsführer Rolf Bulander sagte, für Bosch sei es wichtig, die Zelle technisch zu verstehen; die Forschungsausgaben, ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag, seien gut investiert.
Die Reaktion aus Berlin kam am nächsten Tag. Staatssekretär Matthias Machnig nannte den Rückzug einen industriepolitischen Rückschlag: Ein Standort wie Deutschland brauche bei einer Schlüsselkomponente der E-Mobilität eigenständiges Know-how und eigenständige Produktion. Bosch erklärte, es gebe bereits Interessenten für Seeo.
Im Juni desselben Jahres investierte Volkswagen 100 Millionen Dollar in QuantumScape, ein anderes Festkörperbatterie-Startup mit einem anderen technischen Ansatz. Der Technologiepfad, aus dem Bosch ausstieg, fand einen anderen Investor mit einem Horizont bis 2025.
Was aus Seeo wurde, ist öffentlich nicht dokumentiert. Bosch fertigt bis heute keine eigenen Zellen. Ob das eine richtige Kapitalentscheidung war, lässt sich nicht ausschließen. Was sich feststellen lässt: Eine Fähigkeit, die 2015 mit einem Horizont von fünf Jahren gekauft wurde, stand nach zweieinhalb Jahren zum Verkauf, begründet mit den Kosten einer Fabrik, die nie gebaut wurde.
Für Bosch ist es wichtig, die Zelle technisch zu verstehen, fertigen müssen wir sie nicht.
— Rolf Bulander, Geschäftsführer Robert Bosch GmbH, Pressemitteilung, 28. Februar 2018