Bosch gründete Coup 2016 selbst: ein E-Roller-Sharing, das in drei Jahren von 200 auf rund 5.000 Roller in vier Städten wuchs. Im November 2019 stellte Bosch den Dienst ein und erklärte, keine Mobilitätsdienste für Endkunden mehr betreiben zu wollen. Ein Wettbewerber kaufte die Flotte.
Coup ist natürlich seit 2016 ein Investitionsthema. Wir wachsen sehr stark.
— Bernd Schmaul, Geschäftsführer Coup, electrive.net, 11. März 2019
Was aufgebaut wurde
Coup war kein Zukauf. Im August 2016 gründete Bosch den Dienst selbst und stellte in Berlin 200 Elektroroller auf die Straße, die per App gefunden, gebucht und irgendwo im Stadtgebiet abgestellt werden konnten. Bosch-Geschäftsführer Markus Heyn sagte, mit Coup steige der Konzern erstmals in ein reines Endkunden- und Betreibergeschäft im Mobilitätssektor ein.
Wie viel Bosch in Coup investierte, wurde nie veröffentlicht. Der Dienst wurde als eigenständige Tochter mit eigener Marke geführt.
Warum: die Value Proposition
Bosch verkauft Technik an Fahrzeughersteller. Mit Coup wollte der Konzern nach eigener Aussage den Wandel der Mobilität mit eigenen Service-Lösungen mitgestalten: also nicht nur Komponenten liefern, sondern selbst einen Dienst betreiben und Endkunden gewinnen.
Das ist eine andere Fähigkeit als Zulieferung. Ein Sharing-Dienst lebt vom täglichen Betrieb: Batterien tauschen, Roller warten, Kunden betreuen, Preise je Stadt anpassen. Coup baute diese Fähigkeit von null auf, mit Rollern des taiwanischen Herstellers Gogoro, einer eigenen Buchungsplattform und Personal, das jeden Tag Batterien wechselte.
Was danach geschah
Coup wuchs. 2017 kam Paris, 2018 Madrid und die Universitätsstadt Tübingen. Im Februar 2019 kündigte der Dienst an, die Flotten in den drei Großstädten um je 500 Roller aufzustocken, auf rund 5.000 insgesamt. Im März 2019 sagte Geschäftsführer Bernd Schmaul, man sei mit der Auslastung zufrieden und konzentriere sich auf Wachstum. Nutzungs- und Umsatzzahlen nannte Coup nicht.
Am 25. November 2019 kündigte Coup das Ende an. Berlin und Tübingen sollten bis Mitte Dezember schließen, Paris und Madrid kurz danach. 120 Beschäftigte waren betroffen. Coup begründete den Schritt damit, dass eine Fortführung auf dem umkämpften Sharing-Markt bei hohen Kosten langfristig wirtschaftlich nicht möglich sei; der tägliche Betrieb mit Batterietausch und Kundenservice sei kostenintensiv.
Eine Bosch-Sprecherin nannte zugleich eine strategische Entscheidung: Der Konzern werde keine Mobilitätsdienste für Endkunden mehr selbst betreiben, sondern nur noch Anbieter solcher Dienste beliefern, mit Hardware, Software und Cloud-Diensten.
Im Februar 2020 übernahm der Berliner Anbieter Tier Mobility die rund 5.000 Roller und die Ladeinfrastruktur und brachte sie ab Mai unter eigener Marke zurück auf die Straße, zuerst in Berlin. Die Hardware fuhr weiter. Marke, App und Team von Coup nicht. Ob Bosch den Dienst als Ganzes angeboten hatte, bevor die Flotte verkauft wurde, ist nicht bekannt.
Für die Bewertung des Falls zählt beides: Coup war ein Geschäft mit hohen Kosten in einem schwierigen Markt. Und es war ein Geschäft, dessen Ende der Konzern mit seiner eigenen Rolle begründete, nicht mit den Zahlen des Dienstes.