Daimler startete 2008 mit car2go das stationslose Carsharing, BMW zog 2011 mit DriveNow nach. 2019 legten beide Konzerne die Dienste zu Share Now zusammen. Drei Jahre später verkauften sie das Joint Venture an Stellantis, um sich auf andere Mobilitätsdienste zu konzentrieren.
Was aufgebaut wurde
Share Now war kein Zukauf. Es war die Zusammenlegung zweier Dienste, die beide Konzerne selbst aufgebaut hatten. Daimler begann im Oktober 2008 in Ulm mit car2go: Kleinwagen, die ohne Station gemietet und irgendwo im Stadtgebiet abgestellt werden konnten, zuerst für Mitarbeiter, ab 2009 für alle. BMW folgte 2011 mit DriveNow, einem gemeinsamen Unternehmen mit dem Autovermieter Sixt. Im Januar 2018 kaufte BMW den Sixt-Anteil.
Im Februar 2019 legten Daimler und BMW ihre Mobilitätsdienste zusammen: fünf Joint Ventures für Carsharing, Fahrdienste, Parken, Laden und eine gemeinsame App, mit Sitz in Berlin. Beide Konzerne kündigten an, zusammen über eine Milliarde Euro zu investieren. Share Now, aus car2go und DriveNow, war das größte der fünf.
Warum: die Value Proposition
Ein Autohersteller verkauft Fahrzeuge. Carsharing verkauft Minuten. Das ist ein anderes Geschäft: Es braucht eine Flotte, die ausgelastet sein muss, eine App, Beziehungen zu Stadtverwaltungen und einen täglichen Betrieb, der Autos reinigt, tankt, lädt und umverteilt.
Beide Konzerne hatten diese Fähigkeit über Jahre aufgebaut, jeder für sich. Die Zusammenlegung sollte ihr Größe geben: Nach eigener Darstellung wollten die Gesellschafter Wachstumschancen nutzen und Investitionsrisiken teilen. BMW-Chef Harald Krüger sprach von einem nahtlos integrierten Ökosystem mit einer elektrischen, später selbstfahrenden Flotte. Wie das Joint Venture zwischen zwei Eigentümern gesteuert werden sollte, sagten beide nicht.
Was danach geschah
Zehn Monate nach der Fusion, im Dezember 2019, kündigte Share Now den Rückzug aus Nordamerika an: New York, Montreal, Seattle, Washington, Vancouver, dazu London, Brüssel und Florenz. Für Nordamerika nannte das Unternehmen einen umkämpften, sich schnell verändernden Markt, steigende Betriebskosten und fehlende Infrastruktur; in den drei europäischen Städten sei der Kundenzuspruch trotz Investitionen zu gering für einen nachhaltigen Betrieb. 18 europäische Städte blieben.
Am 3. Mai 2022 gaben BMW und Mercedes-Benz Mobility bekannt, Share Now an Stellantis verkaufen zu wollen. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Gesellschafter erklärten, sie wollten sich auf zwei Bereiche konzentrieren: die Mobilitäts-App Free Now und den Ladedienst Charge Now.
Am 18. Juli 2022 war der Verkauf abgeschlossen. Share Now wurde Teil von Free2move, der Mobilitätsmarke von Stellantis, mit rund 10.000 Fahrzeugen in 16 europäischen Städten. Marke und Führungsteam blieben; der Geschäftsführer führte den Dienst unter dem neuen Eigentümer weiter.
Für die beiden Konzerne, die das stationslose Carsharing aufgebaut hatten, war das Engagement nach 14 Jahren beendet. Für das Geschäft selbst nicht. Der Fall unterscheidet sich damit von einem Zukauf, der im Käufer verschwindet: Verkauft wurde ein funktionierender Dienst, mit Kunden, Flotte und Führung. Ob er unter Stellantis besser läuft als unter Daimler und BMW, ist bislang nicht öffentlich.