Food & D2C

Mars → Foodspring

2019 – 2025 über 210 Mio. EUR für die Mehrheit (laut WirtschaftsWoche) 4 Min. Lesezeit
Gründer gegangen. Marke geschlossen.

Organizational Immune Design fragt bei jedem Zukauf: Was fließt vom Käufer durch, was bleibt geschützt? Sechs Nahtstellen, an denen das entschieden wird.

Käufer Mars US-Familienkonzern (Snickers, M&M’s, Whiskas); Käufer war die Ernährungssparte Mars Edge
Zukauf Foodspring Berliner Marke für Sporternährung, 2013 gegründet, Verkauf über den eigenen Onlineshop; 2019 rund 130 Beschäftigte, in sechs Kernländern und acht weiteren Märkten aktiv
Kaufpreis über 210 Mio. EUR für die Mehrheit (laut WirtschaftsWoche)
Value Proposition Ein digitales Direktgeschäft mit Endkunden – laut Mars Edge digitales Know-how, Markenführung und Lebensmittelinnovation
Wo es riss Führung Gründer und Führung des Zukaufs gehen oder verlieren ihren Entscheidungsspielraum.
Was daraus wurde Verloren Die Foodspring GmbH wurde zum 30. Juni 2025 geschlossen; Marke und Onlineshop existieren nicht mehr, die Beschäftigten verloren ihre Stelle. Ob Mars Wissen aus dem Direktgeschäft in andere Einheiten übernommen hat, ist nicht dokumentiert. Was vor dem Closing festzulegen war ↓

Mars kaufte Foodspring 2019 und sagte zu, die Marke bleibe ein eigenständiges Unternehmen unter Führung der Gründer. Keine zwei Jahre später stiegen die Gründer aus, drei CEOs folgten. Zum 30. Juni 2025 wurde die Foodspring GmbH geschlossen.

Was gekauft wurde

Am 27. Juni 2019 gab Mars Edge, die Ernährungssparte des Konzerns hinter Snickers und M&M’s, die Übernahme der Mehrheit an Foodspring bekannt. Laut WirtschaftsWoche zahlte Mars über 210 Mio. EUR; der Konzern selbst hat den Preis nie genannt. Die Zusage stand in der Pressemitteilung: Foodspring bleibe ein eigenständiges Unternehmen innerhalb von Mars Edge, geführt von den Gründern Philipp Schrempp und Tobias Schüle.

Die Gründer nannten, was sie sich von Mars erhofften: Zugang zu globaler Infrastruktur, zu Marketing und zu wissenschaftlicher Expertise. Foodspring hatte 2019 knapp 55 Mio. EUR Umsatz gemacht.

Warum: die Value Proposition

Mars Edge nannte drei Dinge, die Foodspring mitbringe: digitales Know-how, Markenführung und Lebensmittelinnovation. Die Sparte war gegründet worden, um Ernährung und Gesundheit zu verbinden; Foodspring sollte laut Pressemitteilung Erkenntnisse über Konsumenten liefern, mit denen Mars Edge personalisierte Ernährung voranbringen wollte. Dahinter stand ein Geschäftsmodell, das Mars nicht hatte. Foodspring verkaufte Proteinriegel, Shakes und Müsli über den eigenen Onlineshop direkt an Endkunden, warb über Social Media und digitale Kanäle, deren Wirkung sich sofort messen lässt, und konnte neue Produkte schnell testen. Mars verkauft über Supermärkte und Drogerien.

Der Wert lag nicht in den Produkten. Er lag in der Beziehung zu den Kunden und in dem Tempo, mit dem die Marke auf sie reagierte.

Was danach geschah

Bis dahin lief es gut: Foodspring hatte von der Nachfrage nach Fitnessprodukten in der Pandemie profitiert, deutsche-startups.de nannte für 2020 einen geplanten Umsatz von 88 Mio. EUR. Im März 2021, keine zwei Jahre nach dem Kauf, stiegen die Gründer aus. Mars übernahm ihre restlichen Anteile, laut WirtschaftsWoche für 43 Mio. EUR. Schüle sagte, man glaube, den richtigen Moment für die Übergabe an Gerrit Meier erreicht zu haben. Meier kam vom Red Bull Media House.

Die Zahlen blieben hinter den Erwartungen zurück. 2022 lag der Umsatz laut WirtschaftsWoche bei 84 Mio. EUR, unter dem Vorjahr. 2023 fiel er um rund ein Viertel; 36 Stellen wurden gestrichen. Berichte nannten höhere Werbekosten, weniger Besucher auf der Website und sinkende Bestellungen. Im selben Jahr wurde Christian Bubenheim CEO – laut WirtschaftsWoche der dritte seit dem Ausstieg der Gründer.

Ende Februar 2025 informierte Bubenheim die Geschäftspartner per Brief über die Schließung der Foodspring GmbH und verwies auf die Veränderungen im Marktumfeld. Letzter Geschäftstag war der 30. Juni 2025. Rund 220 Beschäftigte verloren ihre Stelle. Mars hat darüber hinaus keine Gründe genannt.

Sechs Jahre nach dem Zukauf gibt es die Marke nicht mehr. Die Begründung des Käufers spricht vom Markt. Über die Führungswechsel, die dem Ende vorausgingen, spricht sie nicht.

3 CEOs in gut zwei Jahren nach dem Gründerausstieg, laut WirtschaftsWoche
– 25 % Umsatz 2023 gegenüber 2022, laut WirtschaftsWoche
220 Stellen entfallen mit der Schließung

Nach reiflicher Überlegung und mit Blick auf die vielfältigen Veränderungen in diesem dynamischen Marktumfeld haben wir die schwierige Entscheidung getroffen, die Foodspring GmbH zu schließen.

— Christian Bubenheim, CEO Foodspring, Brief an Geschäftspartner, Februar 2025

Chronologie

  1. 27. Juni 2019 Mars Edge kündigt die Mehrheitsübernahme an. Zusage: Foodspring bleibt ein eigenständiges Unternehmen, geführt von den Gründern Philipp Schrempp und Tobias Schüle.
  2. März 2021 Die Gründer steigen aus. Mars übernimmt ihre restlichen Anteile, laut WirtschaftsWoche für 43 Mio. EUR. Gerrit Meier, zuvor Red Bull Media House, wird CEO.
  3. 2022 Umsatz 84 Mio. EUR – unter dem Vorjahr und unter den Erwartungen, laut WirtschaftsWoche.
  4. 2023 Umsatz fällt um rund ein Viertel. 36 Stellen werden gestrichen. Christian Bubenheim wird CEO, laut WirtschaftsWoche der dritte seit dem Gründerausstieg.
  5. Feb. 2025 Bubenheim informiert Geschäftspartner über die Schließung.
  6. 30. Juni 2025 Letzter Geschäftstag der Foodspring GmbH.

Unsere Lesart

Was der Fall für Organizational Immune Design zeigt

Der Fall zeigt die Nahtstelle Führung. Mars hat 2019 zugesagt, dass die Gründer führen. Keine zwei Jahre später waren sie weg, und in den gut zwei Jahren danach wechselte die Spitze zweimal. Der Wert einer Marke, die über Social Media und direkten Kundenkontakt gewachsen ist, liegt zu großen Teilen in den Menschen, die diese Beziehung aufgebaut haben und die Entscheidungen darüber schnell treffen. Dass dieser Wert durch drei aufeinanderfolgende CEOs nicht ersetzt wurde, legt nahe, dass es für die Übergabe keine Struktur gab – kein Vorwurf an die Manager, sondern ein Befund über den Kaufvertrag.

Sekundär Steuerung und Governance & Kapitalallokation. Ein Direktgeschäft mit hohen Werbekosten wurde im Portfolio eines Konzerns geführt, der über den Handel verkauft; woran es gemessen wurde, ist nicht öffentlich, aber die Antwort auf sinkende Zahlen waren Führungswechsel. Und am Ende entschied Mars, das Unternehmen zu schließen statt zu verkaufen. Diese Entscheidung ist eine über Kapital und Fortführung. Ob es Kaufinteressenten gab, ist nicht bekannt.

Was wir nicht wissen

  • Ob Foodspring unter den Gründern weiter gewachsen wäre. Der Markt für Sporternährung im Direktvertrieb wurde nach der Pandemie härter, Werbekosten stiegen branchenweit, und Berichte nennen weniger Website-Besucher und sinkende Bestellungen als Gründe für den Umsatzrückgang.
  • Ob die Gründer auf eigenen Wunsch gingen. Schüle sprach 2021 vom richtigen Moment für die Übergabe; deutsche-startups.de schrieb, beide hätten die Marke eigentlich weiterführen wollen. Beides ist nicht belegbar.
  • Warum Mars die Marke schloss statt sie zu verkaufen. Der Konzern hat dazu über den Verweis auf das Marktumfeld hinaus nichts gesagt.
  • Woran Mars Foodspring intern gemessen hat und wer die drei CEOs auswählte. Der Name des zweiten CEOs ist in den ausgewerteten Quellen nicht genannt.

Für Ihren Deal

Wenn Sie gerade kaufen: Prüfen Sie vor dem Closing, ob diese Festlegungen bei Ihnen im Kaufvertrag, im Beirat oder im Budgetprozess verankert sind – nicht nur in der Pressemitteilung.

  • Steuerung: Kennzahlen des Direktgeschäfts statt Handelsmargen (Nur bis zu einer Schwelle übernehmen)
  • Führung: Die Übergabe ist Teil des Deals (Verbinden statt ersetzen)
Zur vollständigen Festlegung ↓

Organizational Immune Design

Was Mars vor dem Closing hätte festlegen müssen

Organizational Immune Design legt vor dem Kauf für jede Nahtstelle fest, was der Zukauf vom Käufer übernimmt und was bei ihm bleibt. So hätte die Festlegung an den entscheidenden Nahtstellen aussehen können:

  • Vom Käufer übernehmen Durchlassen

    Infrastruktur, Marketing, Wissenschaft

    Was die Gründer 2019 als Grund für den Verkauf nannten: Zugang zu globaler Infrastruktur, Marketing und wissenschaftlicher Expertise von Mars. Das hätte ungefiltert fließen können – als Ergänzung zu dem, was Foodspring selbst konnte, nicht als Ersatz.

  • Nur bis zu einer Schwelle übernehmen Filtern

    Kennzahlen des Direktgeschäfts statt Handelsmargen

    Ein Direktgeschäft hätte an Kundenbindung, Wiederbestellrate und Kosten pro Neukunde gemessen werden müssen – nicht an der Marge, die im Supermarktregal gilt. Diese Kriterien gehören vor dem Closing festgelegt, mit einem Horizont, der eine schwache Marktphase überlebt.

  • Verbinden statt ersetzen Übersetzen

    Die Übergabe ist Teil des Deals

    Wer eine gründergeführte Marke kauft, hätte den Tag planen müssen, an dem die Gründer gehen: Wer folgt, aus welchem System kommt die Person, wie lange überlappen beide? Bei Foodspring kam der erste Nachfolger von außen, aus einem anderen Geschäft. Eine definierte Schnittstelle hätte die Übergabe an Menschen vorgesehen, die das Direktgeschäft aus dem Inneren kennen.

Die Immune-Design-Frage

Welche Nachfolgeregelung hätte Mars 2019 vereinbaren müssen, damit der Ausstieg der Gründer nicht der erste von drei Führungswechseln wird?

Quellen

  1. Mars, Pressemitteilung, 27. Juni 2019: „Mars Edge And Foodspring Joining Forces“ — Mehrheitsübernahme, Foodspring bleibt eigenständiges Unternehmen unter Führung der Gründer, Kaufthese von Mars Edge (digitales Know-how, Markenführung, Lebensmittelinnovation), Erwartung der Gründer (Infrastruktur, Marketing, Wissenschaft), 130 Beschäftigte, Märkte
  2. deutsche-startups.de, 11. März 2021: „Foodspring-Gründer steigen schon aus“ — Gründerausstieg, Gerrit Meier als CEO, Umsatz 2019 rund 55 Mio. Euro
  3. Business Insider via Yahoo Finance, 5. März 2025: „Sechs Jahre nach Millionen-Exit: Mars stellt Berliner Fitnessmarke Foodspring ein“ — Schüle-Zitat 2021 zur Übergabe
  4. WirtschaftsWoche, 4. März 2025: „Foodspring: Mars stellt Berliner Fitnessmarke ein“ — Bubenheim-Zitat im Wortlaut, 220 Beschäftigte, 30. Juni 2025, Kaufpreise 2019 und 2021, Umsatz 2022, Rückgang 2023, dritter CEO
  5. absatzwirtschaft, 4. März 2025: „Das Ende von Foodspring“ — 36 Entlassungen 2023, Gründe laut Berichten: Werbekosten, weniger Website-Besucher, sinkende Bestellungen
  6. Hinweis — Mars hat die Kaufpreise nie bestätigt; alle Preisangaben stammen aus der WirtschaftsWoche. Der Name des zweiten CEOs zwischen Meier und Bubenheim ist in den ausgewerteten Quellen nicht genannt.

Dokumentierte Fakten stammen aus den genannten Quellen. Die Abschnitte „Unsere Lesart" und „Was Mars vor dem Closing hätte festlegen müssen" sind unsere Interpretation.

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