Kraft Heinz übernahm Ende 2021 die Mehrheit an Just Spices und beschrieb den Kauf als Einstieg in ein technologiegestütztes Direktgeschäft mit Endkunden. Bis Ende 2023 hatten alle drei Gründer das Unternehmen verlassen. Im Juni 2026 schloss Just Spices seinen Onlineshop.
Was gekauft wurde
Am 10. Dezember 2021 kündigte Kraft Heinz an, 85 Prozent der Just Spices GmbH zu übernehmen. Die Gründer Florian Falk, Ole Strohschnieder und Béla Seebach behielten 15 Prozent und blieben im Unternehmen. Der Abschluss folgte im Januar 2022. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Just Spices verkaufte damals in Deutschland, Spanien, Österreich und der Schweiz.
Die Überschrift der Pressemitteilung nannte den Kaufgegenstand: ein „technology-enabled direct-to-consumer business“, ein technologiegestütztes Geschäft direkt mit Endkunden. Rafael Oliveira, bei Kraft Heinz für das internationale Geschäft zuständig, sagte, die Übernahme stärke die Fähigkeit des Konzerns, Geschmackstrends früh zu erkennen und schneller zu innovieren. Sie könne zudem das eigene Direktgeschäft von Kraft Heinz voranbringen.
Warum: die Value Proposition
D2C, Direct-to-Consumer, heißt: Die Marke verkauft über den eigenen Onlineshop an Endkunden, ohne Handel dazwischen. Sie sieht, wer was bestellt, wie oft, und welche Neuheit ankommt. Just Spices war so gewachsen: über Social Media, mit einem Sortiment, das breiter war als jedes Supermarktregal, und mit einer Analytik, die Falk in derselben Pressemitteilung als eine der besten der Lebensmittelbranche bezeichnete.
Kraft Heinz verkauft Ketchup und Käse über den Einzelhandel. Der Konzern kaufte eine Fähigkeit, die er selbst nicht hatte: die direkte, datengestützte Beziehung zum Kunden.
Was danach geschah
Die Gründer gingen nacheinander. Im Oktober 2022 verließ CEO Florian Falk das Unternehmen und gab seine Anteile ab; seine Aufgabe sei erfüllt, sagte er. Im Juli 2023 übernahm Verena Zander, zuvor bei Amazon, die operative Führung, und Mitgründer Ole Strohschnieder wechselte in den Beirat. Im Dezember 2023 verließ Béla Seebach als letzter Gründer das Unternehmen und verkaufte seine Anteile an Kraft Heinz. Seit 2024 gehört Just Spices dem Konzern vollständig.
Der Umsatz ging zurück. 2023 lag er laut WirtschaftsWoche bei 41 Mio. EUR, 2024 bei knapp 31 Mio. EUR, mit einem Nettoverlust von über 13 Mio. EUR. Im Frühjahr 2025 verließ auch Zander das Unternehmen; Kraft-Heinz-Nordeuropa-Chef Matt Poulton übernahm die Führung selbst. Im April 2025 gab Kraft Heinz eine Patronatserklärung ab, eine Zusage der Muttergesellschaft, die Tochter finanziell abzusichern.
Ende März 2026 teilte Just Spices seinen Kunden mit, Onlineshop und Amazon-Shop würden im Juni geschlossen; die Kanäle trügen sich wirtschaftlich nicht mehr. Der Online-Umsatz lag laut neuhandeln.de zuletzt bei rund 8 Mio. EUR. Die Shops in Großbritannien und Spanien waren bereits geschlossen. Kunden schrieben, viele Produkte habe es nie im Supermarkt gegeben. Das Unternehmen räumte ein, dort nur eine geringe Auswahl an Gewürzmischungen anzubieten.
Seit Ende Juni 2026 wird Just Spices über den Handel verkauft. Der Kanal, den Kraft Heinz 2021 in die Überschrift seiner Pressemitteilung gesetzt hatte, existiert nicht mehr.
Nach langer Überlegung mussten wir eine schwierige Entscheidung treffen: Wir werden unseren Online-Shop und Amazon-Shop im Juni schließen, da sie wirtschaftlich leider nicht mehr tragfähig sind.
— Just Spices, Mitteilung an Kunden, März 2026