IWG, bekannt unter der Marke Regus, übernahm Anfang 2026 Design Offices, einen der größten Anbieter flexibler Büros in Deutschland. Wenige Wochen nach Bekanntwerden war der CEO durch eine Regus-Managerin ersetzt, einen Tag später wurden Kündigungen in der Zentrale bekannt. Der Fall ist offen und wird fortgeschrieben.
Was gekauft wurde
Mitte Februar 2026 wurde bekannt, dass IWG, der Konzern hinter der Marke Regus, Design Offices vollständig übernimmt. Verkäufer waren der Immobilieninvestor Art-Invest und die Beteiligungsgesellschaft EMH Partners. Die Anmeldung beim Bundeskartellamt datierte vom 30. Januar. Der Kaufpreis wurde nicht genannt.
IWG hat öffentlich keine Zusagen zu Marke, Führung oder Standorten gemacht. Am Tag der Bekanntgabe beschrieb der Bundesverband Coworking Spaces zwei mögliche Wege: ein „House of Brands“, in dem Design Offices Gestaltung, Produkt und Auftritt behält und IWG Infrastruktur, Einkauf und Vertrieb beisteuert – oder eine stärkere Angleichung an Prozesse und Preismodelle von IWG.
Warum: die Value Proposition
IWG hat seine Motive nicht öffentlich erläutert. Beobachter der Branche beschreiben den Zukauf als Schließen einer Lücke: Deutschland ist einer der großen Büromärkte Europas, und IWG war dort bislang kleiner vertreten als anderswo.
Was Design Offices mitbringt, ist ein Premium-Angebot: hochwertig gestaltete Flächen, ein Konferenz- und Eventgeschäft, Unternehmenskunden aus Mittelstand und Konzernen, 2024 eine Auslastung von rund 80 Prozent. Das Markenversprechen lautet „Feel good, work better“. Es wird an jedem Standort von Menschen eingelöst.
IWG wächst nach einem anderen Modell. 2025 unterzeichnete der Konzern Verträge für 1.132 neue Standorte und eröffnete 782, fast alle kapitalleicht: Die Gebäude bleiben bei Eigentümern und Partnern, IWG liefert Marke, Vertrieb und Betrieb. Dieses Modell lebt von Standardisierung.
Was danach geschah
Fünf Wochen nach Bekanntwerden, am 25. März, berichtete die Immobilien Zeitung: Regus Germany war als Alleingesellschafter eingetragen, CEO Joachim Gripp, seit Juni 2020 an der Spitze, durch die Regus-Deutschlandchefin Stefanie Lürken ersetzt. Erste Standorte von Design Offices standen bereits auf der Regus-Website.
Einen Tag später berichtete dieselbe Zeitung über betriebsbedingte Kündigungen in der Nürnberger Zentrale und an Standorten, zugestellt per Brief und ohne Vorankündigung. Die Zentrale, ein Rundbau der früheren Hauptpost am Hauptbahnhof, werde voraussichtlich aufgelöst. Im April reichten Beschäftigte Kündigungsschutzklagen beim Arbeitsgericht Nürnberg ein. Die neuen Eigentümer äußerten sich laut Nürnberger Nachrichten nicht.
Es gibt einen früheren Fall, in dem IWG eine Premium-Marke mit starker Community übernahm: The Wing, ein US-Netzwerk für Frauen. IWG erwarb Anfang 2021 die Mehrheit. The Wing war zu diesem Zeitpunkt bereits in der Krise, nach öffentlicher Kritik von Mitarbeitern, den Schließungen der Pandemie und dem Abgang der Gründerinnen. Ende August 2022 wurde die Schließung der verbliebenen Standorte bekannt. Ein Einzelfall mit eigener Vorgeschichte.
Stand September 2026: Die Standorte von Design Offices sind geöffnet und werden auf der Regus-Website unter ihrem Namen geführt. Ob die Marke mit ihrem Servicelevel weiterbesteht oder in Regus und Spaces aufgeht, ist die Frage, die Beobachter der Branche stellen. Diese Analyse wird fortgeschrieben.
Wird Design Offices als Marke weiterbestehen – mit den Designstandards, dem Servicelevel und der Positionierung, die Kunden schätzen? Oder wird das Portfolio irgendwann in globale IWG-Marken wie Regus oder Spaces integriert?
— Fabrizio Lauria, CoWorking Capital, 2026 (übersetzt)